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Bereits der Talmud hat vor über zwei Jahrtausenden das Teilen des Vermögens empfohlen: Ein Drittel soll in Land, ein Drittel in Geschäften angelegt werden, und ein Drittel soll liquide gehalten werden.
Ein wissenschaftliches Fundament für die Portfoliotheorie wurde erst in den Jahren 1960 bis 1980 gelegt. In den Jahren 1952 und 1956 publizierte Harry M. Markowitz Aufsätze und 1959 ein Buch über Portfolio Selection.
Markowitz modellierte die Diversifikation mathematisch und befasste sich mit Computeralgorithmen zur Berechnung der effizienten Portfolios. Das, was er damit entdeckte, sollte das ganze Finanzmanagement revolutionieren: Zwischen dem Risiko eines Portfolios und den Risiken der Einzelanlagen muss unterschieden werden. Das Risiko eines Portfolios ist nicht gleich dem durchschnittlichen Risiko der Komponenten, sondern hängt wesentlich von den Kovarianzen (Beziehung zwischen zwei Variablen – Anm. d. Red.) der Einzelrenditen ab. 1990 wurde Markowitz für seine Erkenntnisse sogar mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Die heutigen turbulenten Zeiten, die von der Finanzkrise geprägt sind, verlangen von Investoren besondere Kompetenz und Geschick - wer die aktuelle, globale Rezession möglichst gut meistern will, sollte sich um ein ausgeglichenes, breit gestreutes Portfolio bemühen, um das Risiko besser zu verteilen.
Die Einzelanlagen sollten nicht isoliert oder nacheinander, sondern simultan betrachtet werden. Denn die Vorteilhaftigkeit einer einzelnen Investition hängt nicht allein von ihr und ihren Eigenschaften ab. Wichtig ist, welche Kapitalanlagen der Investor außerdem hält, mit denen er die betrachtete Investition kombiniert. Die einzelnen Kapitalanlagen und Wertpapiere müssen gleichzeitig und aus einer einheitlichen Perspektive beurteilt werden.
Die ausgewählten Anlageinstrumente sollten dabei möglichst wenig untereinander korrelieren, d. h. sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln. Da sich Tendenzen an den Kapitalmärkten schwer prognostizieren lassen, sollten im Depot im besten Fall alle Anlageklassen vertreten sein. Wer seine Portfolio-Bestandteile geschickt kombiniert, der kann aber nicht nur Chancen und Risiken der Finanzmärkte ausbalancieren, sondern auch die Gesamtrendite steuern. Generell sagt man, dass die Portfoliostruktur fast zu 80% Auswirkungen auf die gesamte Rendite hat, während die Auswahl der einzelnen Titel nur zu rund 20% für den Erfolg verantwortlich ist. Deswegen sollte man, bevor man sich auf die Suche nach geeigneten Einzelwerten macht, entscheiden, welche Gewichtung man den einzelnen Anlageklassen widmen will.
Die Menschen können einen Teil ihrer Arbeitseinkommen sparen. Sie bilden zunächst eine Reserve für den Notfall und tätigen Investitionen im familiären Umfeld. Sie haben Gelder für weitere Anlagen übrig, und für diese entwickeln sie dann klare Vorstellungen und Ziele: Bei angestrebter Sicherheit oder bei begrenztem Risiko soll eine "gute Rendite“ erzielt werden und die Kapitalanlage soll "liquide sein“ - im Fall von Geldbedarf sollte man die Kapitalanlage in der erforderlichen Frist verkaufen können. Also lauten die drei wichtigsten Kriterien für die Anlageauswahl: Rendite, Sicherheit und Liquidität.
Die Palette möglicher Anlagen ist heute sehr groß. Voran bieten sich börsengehandelte Wertpapiere wie Anleihen (Bonds) und Aktien (Stocks), weil sie schnell verkauft werden können und so den Wunsch nach Liquidität bestens erfüllen. Gleiches gilt für Instrumente, die sich auf Anleihen und Aktien beziehen, wie Fonds und Indexzertifikate. In Ergänzung zu Anleihen und Aktien stehen Immobilienfonds, Real Estate Investment Trusts (REITs) und Immobilienaktien. Anlagen in Währungen (Devisen), Gold und in Rohstoffen zeigen ebenso eine sehr hohe Liquidität und sind deswegen auch empfehlenswert - diese werden an Börsen und durch Direktbroker online gehandelt. Also weisen Anleihen, Aktien, Immobilienanlagen, Zertifikate, Währungen und Rohstoffe eine gute Liquidität auf.
Allerdings variieren die mit diesen Klassen von Anlageinstrumenten – Bonds, Aktien, Währungen, Immobilien, Rohstoffe – verbundenen Renditeerwartungen. Zudem lassen die Unterschiede hinsichtlich der Sicherheit (verbundene Risiken) erkennen, dass sich Kombinationen oder eben Portfolios eher anbieten als die ausschließliche Anlage des Gesamtbetrags in ein einziges Instrument.
Durch einen Anlage-Mix gleichen sich einzelne negative mit zeitgleichen positiven Entwicklungen bei unterschiedlichen Anlagen aus. Dies ist die Diversifikation. Ein Anlage-Mix erlaubt es sogar, Anlagen mit hohen Risiken in das Portfolio aufzunehmen. Auch wenig liquide Anlagen kommen in Frage. Dazu gehören zum Beispiel Direktinvestitionen in Immobilien, Schiffe und Private-Equity.
Auf der Basis der Theorie von Markowitz folgten um 1960 weitere wissenschaftliche Ansätze von Sharpe, Tobin und anderen. Das damals entstandene Denkfundament wird heute als Moderne Portfoliotheorie (MPT) bezeichnet. Die MPT ist damals revolutionär gewesen. Sie hat der wissenschaftlichen Forschung eine neue Richtung gegeben und die Praxis des Portfoliomanagements grundlegend verändert. Wissenschaftler wie Markowitz und Sharpe brachen mit allen traditionellen Ansätzen und erfanden die Portfoliotheorie von Grund auf neu. Dazu setzten sie einige quantitative Denkweisen ein.
Das Hauptproblem der Geldanlage besteht darin, mit der natürlichen Unsicherheit der zukünftigen Rendite umzugehen.
Die Renditen der Wertpapiere werden als Zufallsgrößen betrachtet, beschrieben durch ihre Erwartungswerte, die Standardabweichungen und die Korrelationen (die Gleich- oder Gegenläufigkeit von Wertpapierkursen).
Die Präferenz der Investoren konzentriert sich darauf, den Erwartungswert und die Standardabweichung der Portfoliorendite zu betrachten. Während eine möglichst hohe erwartete Rendite erwünscht ist, ist die Standardabweichung der Rendite unerwünscht. Denn je größer die Standardabweichung der Rendite ist, desto größer ist ihre Schwankungsbreite und desto ausgeprägter das Risiko. Die erwartete Portfoliorendite soll möglichst hoch, die Standardabweichung der Portfoliorendite – sie steht für das Risiko – soll möglichst gering sein.
Aus diesen Annahmen lässt sich eine reichhaltige Theorie entfalten. Die MPT setzt Wahrscheinlichkeitsrechnung, Statistik und Mathematik ein. Sie liefert quantitative Werkzeuge und Methoden zur Diversifikation von Risiken und zur Maximierung von Portfoliorenditen bei begrenztem Risiko.
So entsteht ein wichtiges Instrument für die Finanzpraxis. Portfoliomanager setzen vielfach das Geld anderer Leute ein. Daher müssen sie ihre Entscheidungen Dritten gegenüber rechtfertigen. Deshalb folgen sie nicht der eigenen Stimmung oder Intuition. Sie verwenden Modelle und Methoden, deren Aussagekraft in professionellen Kreisen akzeptiert ist. Das Umfeld der Geldanlage und das Geschehen an den Finanzmärkten ist von vielen Zufälligkeiten geprägt, die im Einzelfall stets Raum für Glück und Pech geben. Wer darauf setzt, kann den wissenschaftlichen Ansatz ignorieren. Es gibt in der Finanzwelt keinen mysteriösen "Trick“, den nur einige kennen und sonst niemand. Die Wissenschaft hält hierzu eine klare Position: Der Investor kann nur eine höhere Rendite erwarten, wenn er ein Mehr an Risiken übernimmt.
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